Schloss Kaiserebersdorf
 
Die Befestigung
 
 
 
   

Die ausgegrabene Befestigung

Die Ausgrabungen brachten Teile der mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Burg Ebersdorf zutage, die bis in die Neuzeit verwendet, repariert und adaptiert wurden. Diese bestanden aus einem inneren Wassergraben, einem Zwinger, einer mit Türmen versehenen äußeren Umfassungsmauer und einem äußeren Wassergraben, der im Westen und Norden von natürlichen Flußläufen, im Osten von einem künstlich angelegten Graben gebildet wurde. Die gesamte freigelegte äußere Umfassungsmauer wurde 1995 zerstört. (Abb. 1.)

Innerer Wassergraben
Den Uhrtrakt umgab ein von Mauern eingefasster Wassergraben, der ungefähr 7,30 - 7,60 m breit war und in seiner Ost-West-Ausdehnung eine Länge von 62 m erreichte. Die Tiefe vom rekonstruierten Gehniveau aus betrug ca. 2,5 m, vom Uhrtrakt trennte ihn ein 4 m schmaler Bereich, der innere Zwinger. Die Datierung der Funde aus den Schichten des Grabens ermöglichte eine zeitliche Einordnung ins Spätmittelalter.
Die innere Grabenbefestigung bestand aus Bruchsteinmauerwerk, das zum Wassergraben hin mit langen Quadern verkleidet war. Bislang ohne Vergleich ist die Eckausbildung dieser inneren Grabenmauer, die in der Aufsicht stufenförmig erscheint. (Abb.2) Die äußere Grabenfuttermauer zeigte verschiedenartige Mauertechniken und wirkte weniger einheitlich als die Mauer an der Innenseite. Auch in ihr waren zum Teil Quader verbaut, von denen einige Buckel aufwiesen und manche Steinmetzzeichen trugen. Beide Mauerzüge waren mit Ziegeln ausgebessert.

Umfassungsmauer
Die nördliche Umfassungsmauer des Schlosses Kaiserebersdorf war 0,6 - 0,8 m stark und bis zu einer Höhe von 2,6 m erhalten. Ihre ursprüngliche Höhe ließ sich nicht mehr feststellen. Die Mauer war außen deutlich geböscht, schräg gegen das anstehende Erdreich gestellt und an der Innenseite in Abständen von ca. 2,9 m mit Pfeilern versehen. Diese waren sorgfältig aus Bruchsteinen in Mörtelbindung errichtet und ca. 0,7 m stark. Sie könnten als Stützen der Mauer gedient, oder einen Wehrgang getragen haben. (Abb.3)

Die Umfassungsmauer bestand in ihren ältesten Teilen aus Bruchsteinmauerwerk, das an der Nordseite vollflächig verputzt war. Auch diese Mauer wies an zahlreiche Stellen Ziegelausbesserungen auf. Im freigelegten Abschnitt waren zwei 6 x 6 m große Türme mit 1 m starken Bruchsteinmauern eingebunden. Diese ragten ca. 3,2 m hinter die Umfassungsmauer nach innen und ca. 1,80 m nach außen, wodurch sie kaum flankierfähig waren.
Ein vergleichbares Mauerstück mit einer Länge von ca. 6 m und Eckquadern kam 1998 an der Außenmauer des Südtraktes zu Tage. Es könnte der Rest eines weiteren Turmes gewesen sein, was ein Anhaltspunkt für den weiteren Verlauf der Umfassungsmauer wäre. (Abb. 4)

Der östliche Teil der Umfassungsmauer flankierte den an dieser Seite künstlich ausgehobenen äußeren Wassergraben und war weniger tief fundamentiert. Sie bestand ebenfalls aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk, wies aber an der Innenseite keine Pfeiler und auch keine turmartigen Bauten auf. Wohl deshalb, weil sie zur sumpfigen Flußniederung hin lag und nicht in Richtung des offenen Flusses, wie die Nord- und Westseite.

Stützmauer und Palisade
Im Westen war der Umfassungsmauer im Abstand von vier Metern eine weitere Mauer vorgelagert, die aus Bruchsteinmauerwerk mit wenigen Ziegelstücken bestand.
Etwa 5 m vor der Umfassungsmauer befand sich zum Wassergraben hin eine Palisade aus einer Reihe eng gesetzter Eichenhölzer, die vor den Ecken der Umfassungsmauer in einem Durchmesser von 4 m halbkreisförmig ausschwang und vermutlich als Schutz der Unfassungsmauer vor Unterspülung diente. (Abb. 5)

(Projektteam Kaiserebersdorf, Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie)