1., Tiefgarage Neuer Markt

Endlich ist es soweit!

Lange hat es gedauert – die ersten Gespräche wurden 2001 geführt – bis es mit der Garage wirklich ernst wurde. Und wir als Archäologen waren von Anfang an dabei, ist doch der Neue Markt von seiner Geschichte her ein äußerst interessantes Pflaster. Zu Zeiten des Legionslagers Vindobona befand sich hier die Lagervorstadt, die cannabae legionis, die im Laufe des 3. Jahrhunderts aufgelassen wurden und danach als Begräbnisstätte diente.

Im Zuge der teilweisen Neuverbauung des Platzes an der Ostseite am Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier zahlreiche Gräber freigelegt, die in diese Zeit der römischen Präsenz datieren und teils auch sehr aufwändig angelegt waren.

Im Mittelalter wurde hier der Neue Markt eingerichtet, um neben dem bereits bestehenden Hohen Markt die Versorgung der rasch wachsenden Stadt zu gewährleisten. 1234 erstmals schriftlich erwähnt, entwickelte er sich rasch zu einem hauptsächlich für Getreide, Mehl und Hülsenfrüchte florierenden Handelsplatz. (Daher rührt auch die umgangssprachliche Bezeichnung Mehlmarkt, die sich bis ins 20. Jahrhundert hin erhalten hat.) Gesäumt war der Platz von zahlreichen unterschiedlich großen Gebäuden, darunter befand sich auch ein mehrgeschossiger Speicher für Mehl, der 1375 erstmals als Mehlgroube erwähnt wurde und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts existierte. (An der Stelle der Mehlgrube befindet sich übrigens heute das Hotel Ambassador.) Viele der Häuser besaßen zum Teil mehrgeschossige Keller, die sich bis unter den Platz erstreckten. Einige dieser immer noch existenten Keller werden dem Bauvorhaben weichen müssen und wurden deshalb im Vorfeld nach bauarchäologischen Kriterien dokumentiert.

Auf dem Platz waren ursprünglich zwei Brunnen zur Versorgung der Wiener mit frischem Wasser situiert; 1737 wurde dann in der Mitte des Platzes das umgangssprachlich Donnerbrunnen genannte große Brunnenbecken mit der von Raphael Donner geschaffenen Figurengruppe errichtet. Im Zuge der Bauarbeiten wurde der Brunnen abgebaut, wird zur Gänze restauriert und nach Fertigstellung der Garage seinen angestammten Platz wieder einnehmen.
Die Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie war von Anfang an in dieses Projekt eingebunden, um den historischen und archäologischen Aspekten eines Bauvorhabens an dieser prominenten Stelle in der Mitte der Stadt zu vertreten. Der Bau der Tiefgarage geht mit einer begleitenden archäologischen Untersuchung einher; von Beginn der Bauarbeiten bis zu ihrem Ende werden wir vor Ort sein und alle historischen und archäologischen Befunde penibel dokumentieren und auswerten.